Warum Entscheidungen in Unternehmen schwer fallen

Unser gesamtes Leben basiert auf Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit getroffen haben oder in Zukunft noch treffen werden. Ob im privaten oder beruflichen Leben werden täglich bis zu 20.000 Entscheidungen getroffen. Die meisten davon treffen wir schnell und intuitiv. Ein altes Sprichwort besagt jedoch: „Wer die Wahl hat, hat die Qual.“ Das veranschaulicht deutlich, dass das Treffen von Entscheidungen nicht immer einfach ist.

Tatsächlich ist es im Speziellen auf beruflicher Ebene so, dass mit der Zahl der Entscheidungen, die im Laufe des Tages getroffen werden müssen, die Produktivität und Kreativität rapide abnimmt. Ein berühmtes Beispiel ist Steve Jobs, der immer einen schwarzen Rollkragenpulli getragen hat, um sich von der tagtäglichen Entscheidung, was er anziehen soll, zu befreien. Mark Zuckerberg macht es ihm gleich, nur dass er graue T-Shirts trägt.

Warum Entscheidungen nicht (richtig) getroffen werden

Auf die tägliche Arbeit sowie den Verlauf von Projekten haben Entscheidungen und die Art, auf die sie getroffen werden, einen enormen Einfluss. Viele Projekte scheitern allein, weil Entscheidungen gar nicht oder falsch getroffen werden.

Die Ursachen dahinter sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Viele tun sich mit der Wahl zwischen mehreren Handlungsvarianten sehr schwer. Und je mehr Optionen es gibt, umso schwieriger wird es. Herauszögern, Aufschieben und Ignorieren sind Gewohnheiten, die dazu führen, dass Entscheidungen oft gar nicht erst getroffen werden. Zu starkes Nachdenken, zu viel "Wenn und Aber", führt wiederum eher dazu, dass die Wahl erheblich erschwert wird. Was also sind die Gründe dafür, dass Entscheidungen nicht richtig getroffen werden?

Meine 10 Gründe die zu schlechten Entscheidungen führen:

  1. Es gibt zu viele oder nicht eindeutige Optionen
  2. Die Ziele sind unklar
  3. Zu wenig Information (Entscheidungsgrundlagen)
  4. Verantwortungen und Rollen sind unklar (Wer darf welche Entscheidungen überhaupt treffen?)
  5. Unstimmigkeiten (kein gemeinsames Verständnis/unterschiedliche Motivation)
  6. Egos
  7. Mangelnde Kapazitäten (zeitlich und geistig)
  8. Angst vor falschen Entscheidungen
  9. Man will es anderen recht machen
  10. Politik

Schlechte Entscheidungen sind besser als keine

Keine Entscheidung zu treffen, ist auch eine Entscheidung. Der Preis dafür, gar nichts zu unternehmen, kann jedoch deutlich höher sein, als das Falsche zu tun. Fehlende Entscheidungen bringen in der Regel Projekte oder Prozesse vollständig zum Erliegen, es entsteht eine Vakuumsituation, das Momentum geht verloren, die Unsicherheit steigt – und damit auf Dauer auch die Unzufriedenheit.

Gerade besonders innovative Unternehmen zeichnen sich hingegen durch eine ausgeprägte Fehlerkultur aus, in welcher Fehlentscheidungen nicht verurteilt, sondern sogar begrüßt und als Chance gesehen werden, daraus zu lernen und daran zu wachsen. Diese Tugend können wir uns definitiv noch vom Innovations-Weltmeister Silicon Valley abschauen.

Wer darf was entscheiden?

In Projekten oder Unternehmen stellt sich oft die Frage: Wer hat eigentlich die Befugnis zum Treffen welcher Entscheidungen? Es gibt die so genannten Entscheider, deren Aufgabe häufig einzig und allein darin besteht, bestimmte Entscheidungen zu treffen. Diese liegen dann eher im Bereich der übergeordneten Strategie eines Unternehmens. Auf operativer Ebene gibt es weitere Hierarchien und Eskalationsstufen, auf denen unterschiedliche Entscheidungen getroffen und Handlungsvarianten festgelegt werden.

Je höher die Hierarchien sind, um so lieber werden Entscheidungen weitergereicht – und sich damit auch der jeweiligen Verantwortung entzogen. Dabei geht nicht nur Zeit verloren, sondern – ähnlich wie bei der stillen Post – auch Information. Dieses Phänomen nennt man auch die Treppe des Informationsverlustes.

Sobald die Entscheidung von „ganz oben“ wieder beim operativen Team ankommt, ist sie deshalb unter Umständen nicht mehr nachvollziehbar und wird von den Mitarbeiter nicht getragen. Das geht absolut zu Lasten der Agilität von Unternehmen oder Konzernen, die gerne auch als Tanker bezeichnet werden, weil sie ebenso unflexibel und unwendig sind. Am Ende heißt es dann meist: „Die da oben wollten das so.“, und: „Die da unten haben es verbockt.“, oder so ähnlich.

Die meisten Chefs – zumindest in modernen Unternehmen – wünschen sich, dass ihre Mitarbeiter eigene Entscheidungen treffen; schließlich hat man sie dafür eingestellt. In diesem Zusammenhang möchte ich noch mal auf Steve Jobs zurückkommen, der dies so ausdrückte:

It doesn't make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.

Entsprechend ist auch der Wunsch vieler Arbeitnehmer und Fachkräfte, von ihren Arbeitgebern die Freiheit zu bekommen, eigene Entscheidungen treffen zu können.

Es gibt aus meiner Sicht drei Ebenen, auf denen Entscheidungen getroffen werden:

  1. Wie oben beschrieben: die Führungsebene von Unternehmen, die meist strategischer Natur ist.
  2. Die fachliche Ebene der entsprechenden Experten.
  3. Und die operative Ebene im Rahmen des laufenden Projekts oder Prozesses.

Von oben nach unten betrachtet – oder sagen wir lieber: von Punkt 1 bis Punkt 3 – steigt die Zahl der Entscheidungen. Erst wird über die Marschrichtung und die übergeordneten Ziele entschieden, dann werden die Weichen gestellt oder Rahmenbedingungen festgelegt. Anschließend werden die einzelnen (Teil-)Schritte auf dem Weg zum Ziel beschlossen, die Qualität und Tempo bestimmen.

Entscheidungen: Der Schlüssel zur Autonomie

Besonders in der Teamarbeit und Zusammenarbeit über alle Ebenen hinweg ist die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, der Schlüssel zur Autonomie, dem selbständigen Handeln von Teams in Unternehmen. Und dabei geht es nicht darum, überhaupt Entscheidungen zu treffen, sondern dies schnell und effizient zu tun und so, dass sie von allen getragen werden!

Wie das genau erreicht werden kann, erfahrt Ihr im Beitrag: Richtig (schnell) entscheiden leicht gemacht

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Geposted 28.06.2021

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